Gemeinsam mit Kollegen von S4F verfasste ich diesen Leserbrief an die Salzburger Nachrichten
„Mit der Klima-Religion, dem Klimatismus, hat sich eine weitere säkulare Religion ihren Weg in die westliche Gesellschaft gebahnt“, meint die Geschäftsführerin von Liberethica, einem Thinktank für „Meinungsfreiheit und Marktwirtschaft“, in dem vor kurzen den Salzburger Nachrichten beiliegenden Magazin „Pragmaticus“. „Liberethica setzt dem Moralismus weiter Kreise eine ethische Offensive aus liberaler Sicht entgegen“, heißt es auf der Homepage der Initiative. „Es gehe um Propheten, Apokalypse, Sünden und die Hoffnung auf Erlösung“, gerettet werden könne nur, „wer Verzicht und Entsagung übt, getreu dem neuen Gebot: Du sollst nicht konsumieren“, schreibt die Theologin im Beitrag – ungeachtet der physikalischen Erkenntnisse über die Klimaerwärmung, verursacht durch den Wirtschafts-, Konsum- und Lebensstil in den materiell reichen sowie aufstrebenden Ländern.
Was die Klimaforschung in hunderten von Studien bestätigt hat, wird hier als neue „Religion“ bezeichnet – dies in einem Magazin, das „Fakten. Verstehen. Handeln“ im Untertitel trägt. Dafür erhalten Stimmen, die in der Rückkehr des Religiösen etwas Gutes sehen, ausführlich Platz. Orientierung in der Religion zu finden sei besser als in Ideologien, heißt es. Dass es auch Weltanschauungen und universelle Werte wie die Allgemeinen Menschenrechte gibt, die sich nicht auf Religion, sondern auf die Aufklärung berufen, wird ebenso unterschlagen wie das Prinzip der „Schöpfungsverantwortung“ im Christentum oder jenes der Verbundenheit mit der Natur in anderen Religionen.
Die Klimakrise ist keine Glaubensangelegenheit, sondern ein Faktum, das wissenschaftlich gründlich erforscht ist und welches die Menschen rund um den Globus in ihrem Alltagsleben zu spüren bekommen: unter anderem in Form von Wetterkatastrophen, der Ausbreitung von Krankheitserregern, Verlust von Lebensraum infolge des Anstiegs des Meeresspiegels auf der einen Seite und Wüstenbildung auf der anderen, von Ernterückgängen, verstärkter Nahrungsmittelunsicherheit und Verteuerung von Lebensmitteln.
Die Lösung für die Klimakrise besteht nicht in „Verzicht und Entsagung“, sondern aus der Kombination von technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Innovationen. Auf technologischer Ebene geht es unter anderem um saubere Energiegewinnung und effiziente Nutzung von Energie und Ressourcen, auf wirtschaftlicher Ebene geht es darum, die Produktion von Gütern und Dienstleistungen an den Bedürfnissen der Menschen, unserer Umwelt und der Biodiversität auszurichten und nicht an Aktienkursen, und auf gesellschaftlicher Ebene geht es darum, Ressourcen gemeinschaftlich zu nutzen und gerecht zu verteilen, Armut ebenso zu bekämpfen wie Verschwendung und Luxuskonsum und um eine Verschiebung von Werten weg von materiellen Gütern und Statussymbolen hin zu Gemeinschaft und gegenseitiger Fürsorge.
Wir wissen, dass gerade die radikalen evangelikalen Bewegungen in den USA, denen auch Trump nahesteht, zu den vehementesten Klimawandelleugnern gehören. Gut, dass es auch kritische Stimmen gibt, etwa den ausgezeichnet recherchierten Beitrag von Stephanie Pack-Homolka auf der Klimaseite der SN (12.4.2025) über die Klimawandelleugner-Bewegung und das auch in Europa an Bedeutung gewinnende Heartland Institute, das seit Jahrzehnten gegen die Ergebnisse der Klimaforschung vorgeht. Der von uns gemachte Klimawandel ist ein Fakt! Wer in der Klimabewegung eine neue Religion sieht, liegt voll daneben!
Prof. Martin Auer
Mag. Hans Holzinger
Mitunterzeichner:
Univ. Prof. Dr. Jens Blechert
Dr. Franz Kok
Univ. Prof. Dr. Andreas Tribsch
Scientists for Future