Gegen einen Privattunnel des Unternehmers Ferdinand Porsche zu seiner Villa auf Salzburger Stadtgrund – geschätzte Kosten 10 Millionen Euro – gibt es zivilgesellschaftlichen Widerstand sowie eine Online-Petition. Die Aktivist*innen sammelten über 16.000 Unterschriften in einer Onlinepetition gegen den geplanten Porsche-Tunnel durch den Kapuzinerberg, mehr dazu in 16.000 Unterschriften gegen Porsche-Tunnel (salzburg.ORF.at, 15.05.2025). Damit soll auch politischer Druck erzeugt werden, ehe über das Projekt abgestimmt wird. Der Bau würde in den kommenden Jahren Lärm und Beeinträchtigungen für die Menschen verursachen und die Umwelt schädigen. Die Tonnen an Beton, die in den Berg gepumpt werden sollen, vergrößern Porsches ökologischen Fußabdruck deutlich. Die Klimaschäden zahlen alle. Der Journalist Heinrich Breidenbach argumentiert das Nein wie folgt: „Ein privater Autotunnel für zehn Millionen Euro mit einem riesigen CO2 Rucksack ist ein Symbol für zerstörerische, gestrige Wohlstandsbilder.“ Hier mein Statement, um das mich die Aktivist*innen gebeten hatten.
Im Feudalismus ließen sich Adelige Burgen und Schlösser bauen. Die Reichen heute lassen sich Luxusvillen errichten. Sie verbringen ihre Zeit auf Megajachten, fliegen in ihren Privatjets um die Welt und heizen die Erde auf. Die Superreichen machen gar Urlaub im Weltraum. In Salzburg lässt sich ein Vermögender, der seinen Reichtum u. a. mit dem Verkauf von Luxusautos erworben hat, einen 500 Meter langen Tunnel mit einer unterirdischen Garage zu seiner Villa bauen – Kostenpunkt: 10 Millionen Euro. Das ist alles legal. Aber ist es auch ethisch und ökologisch vertretbar? Wie hoch ist allein die C02-Bilanz für den Aushub und Abtransport des Gesteins?
Neiddebatte lenkt vom Wesentlichen ab
Im Diskurs über die Reichen ist schnell von Neid die Rede. Es wird betont, diese hätten ihre Vermögen ja durch unternehmerisches Geschick und Leistung erworben. Das ist doppelt irreführend. Zum Wirtschaftsprodukt tragen wir alle bei – es wird nur sehr ungleich verteilt. Zudem wird ein großer Teil der Vermögen mittlerweile vererbt. Aber: Ob vererbt oder durch eigene Geschäftstätigkeit lukriert – die sich zuspitzende Konzentration der Vermögen bei einer kleinen Gruppe von Menschen ist moralisch obszön, volkswirtschaftlich kontraproduktiv und demokratiepolitisch gefährlich. Die angemessene Verteilung – Dekonzentration – des Erwirtschafteten ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe. Wollen wir unsere Errungenschaften der Demokratie und Wohlfahrtssysteme erhalten und erneuern, braucht der Staat neue Einnahmequellen. Das ist nicht neu – es gab immer wieder Perioden hoher Vermögensbesteuerung. Und es gibt mittlerweile Vermögende, die selbst höhere Steuern für sich fordern – etwa die Initiativen „Tax me Now“ oder „Millionaires for Humanity“. Lösungen zum Abbau des Überreichtums sind also politisch zu finden – die Kritik am geplanten Porsche-Tunnel ist jenseits der Frage, ob die Stadt Salzburg die Genehmigung zu billig gegeben hat, aber eine Kritik an einem unhaltbaren Weltzustand, in der die einen verhungern, während andere immer mehr Vermögen anhäufen.
