
Am 27. Februar 2026 war die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb zu Gast in Seekirchen. Sie machte in ihrem Vortrag einmal mehr deutlich, wie gefährlich die Klimakrise ist und dass wir gut beraten sind, diese ernster zu nehmen als wir es derzeit tun. Eingeladen hatten das Salzburger Bildungswerk Seekirchen, die e5-Gemeinden Köstendorf und Seekirchen sowie der Regionalverband Salzburger Seenland. Das Interesse an der Veranstaltung war riesig, die Kunstbox Seekirchen mit über 180 Teilnehmenden bis auf den letzten Platz gefüllt.
Im ersten Teil ihres Vortrags zeigte die Klimaforscherin anhand zahlreicher Daten, dass nicht nur die globale Erwärmung insbesondere seit den 1980er-Jahren stark zugenommen hat, sondern auch die Zahl der Extremereignisse wie Überschwemmungen, Waldbrände, Hitzetage sowie – als eine Folge – die Zahl der Toten aufgrund von Dürren (siehe Grafik 1). Phänomene wie der Rückgang der Eismassen an den Polen, die Erwärmung und Versauerung der Meere oder der Verlust an Biodiversität würden die Komplexität zeigen, die mit der Erderwärmung zusammenhängt. Starke Klimaveränderungen habe es in der Geschichte des Planeten immer wieder gegeben, doch mit dem Unterschied, dass damals noch keine Menschen auf der Erde waren.

„Die obersten 10 Prozent der Weltbevölkerung, also die mit dem höchsten Einkommen und Vermögen, emittieren ungefähr 48 Prozent, also fast die Hälfte der Treibhausgasemissionen, während die untersten 50 Prozent nur bei 10 bis 12 Prozent liegen.“
Die Phase seit dem Übergang zur Sesshaftigkeit vor etwa 12.000 Jahren war gekennzeichnet von einem überwiegend ausgeglichenen Klima, dies ändert sich seit Beginn der industriellen Zivilisation in dramatischem Tempo – dies machte Kromp-Kolb anhand einer Langzeit-Temperaturkurve deutlich. Insbesondere seit den 1980er-Jahren steigt die globale Durchschnittstemperatur rapide an. Die realen Temperaturerhöhungen würden den Klimaprognosen davonlaufen – sie entsprechen heute bereits jenen Werten, die für 2040 vorhergesagt worden seien, so Kromp-Kolb (Grafik 2).

Bereits kleinere Klimaschwankungen hätten den Menschen ziemlich zugesetzt, betonte die Klimaforscherin mit einer Übersicht über untergegangene Zivilisationen. Vier Merkmale seien für den Zusammenbruch von Kulturen prägend gewesen: die Zerstörung der ökologischen Grundlagen, die Herausbildung von Oligarchien in extrem ungleichen Gesellschaften, die zunehmende Komplexität bei gleichzeitiger Abnahme der Steuerungsfähigkeit sowie eben Klimaveränderungen.
Alle vier Merkmale würden auf die gegenwärtigen Industriegesellschaften zutreffen. Dazu kämen hohe Militärausgaben sowie Kriege. Der Militärsektor verschlinge nicht nur Ressourcen, die wir dringend anderswo bräuchten, er trage selbst zur Klimaerwärmung bei. Der militärische Sektor sei allein für 8 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich und nach China und den USA der drittgrößte Emittent. Kromp-Kolb warnte in diesem Zusammenhang auch vor neuen Sichtweisen, die suggerierten, ein Atomkrieg sei gewinnbar.
Die Klimakrise, aber auch andere ökosystemische Krisen wie der Biodiversitätsverlust oder die Auslaugung unserer Böden, seien nur mit unserer auf permanente Expansion ausgerichteten Wirtschaftsweise zu verstehen, es gehe daher um eine systemische Frage: „Wirtschaftswachstum braucht immer mehr Energie und Ressourcen, diese werden den Entwicklungsländern von den Industrie- und Schwellenländern, den Schwächeren von den Mächtigeren, den Zukünftigen von den Gegenwärtigen entzogen.“ Dies sei systemisch bedingt, nicht böser Wille, so Kromp-Kolb.
Was ist zu tun?
Die Entscheidung, vor der wir jetzt stünden, heiße Stabilisieren der globalen Erwärmung bei 1,5 bis 2°C oder Hineindriften in eine „hot house earth“, in der das Leben immer bedrohlicher werde. Die 2°C werden in den frühen 2030ern überschritten, wenn wir nicht rasch umsteuern: „Maßnahmen die in dieser Dekade wirksam werden, sind entscheidend“, so die Klimaforscherin. Vier diskutierte Wege der Umsteuerung stellte Kromp-Kolb vor, wobei sie eine davon – Geoengineering – als zu riskant, kostspielig und zu spät wirksam ausschloss. Bleiben die Klimawandelanpassung, die wir brauchen werden, die erneute Stärkung bzw. Regeneration der Natur – aber auch Wiederaufforstung könne nur einen kleinen Teil der Treibhausgase wieder binden – sowie drittens als zentrale Aufgabe die rasche Verringerung des Ausstoßes an Treibhausgasen. Dies bedeute wesentlich die Verabschiedung von den fossilen Energieträgern, aber auch von unserer Wachstumsgetriebenheit und dem auf das Materielle verengten Begriff von Wohlstand.
„Arnold Toynbee hat gesagt, Zivilisationen werden nicht ermordet, sondern sie begehen Selbstmord. Die Frage ist: Wollen wir Selbstmord begehen? Es hängt von uns ab.“
Ein bewusster Lebensstil sei wichtig, aber eben so wichtig sei politisches Handeln, Sich-Einmischen, eine wirksame Klimapolitik einfordern. Der ökologische Fußabdruck sei zu ergänzen durch unseren „Handabdruck“. Kromp-Kolb machte deutlich, dass die Eindämmung der Klimaerwärmung strukturelle Änderungen erfordere, insbesondere die Abkehr von unserem wachstumsgetriebenen Wirtschaftssystems, die Begrenzung des Reichtums sowie die Umlenkung der Kapitalströme auf nachhaltige Bereiche . Zentral sei die Energiewende: Mit dem Übergang zu dezentraler, erneuerbarer Energie bleibe das Geld in der Gemeinde und stehe für andere Zwecke zur Verfügung; die Energieversorgung sei nicht mehr abhängig von weltpolitischen Entwicklungen. Aber auch eine andere Landwirtschafts-, Bildungs- und Gesundheitspolitik seien wichtig.
„Ich kenne keine Religion, die nicht Genügsamkeit als eine Tugend pflegt. Diese Erkenntnis haben wir verloren. Wir müssen sie wieder finden.“
Zum Abschluss des Vortrags stellte Kromp-Kolb drei existenzielle Fragen in den Raum: Erstens: Was ist uns wirklich wichtig? Was wollen wir beibehalten? Was wollen wir so lang wie möglich beibehalten? Zweitens: Was müssen wir mutig loslassen? Drittens: Was haben wir schon einmal gekonnt, was wir wiederherstellen können? Oder was können andere Gemeinden, andere Kulturen, was wir übernehmen können? Was können wir von anderen Kulturen wieder lernen? Drei Fragen, die wir uns als Einzelne, als Unternehmen, als Gemeinde und als Gesellschaft insgesamt konsequent stellen sollten.
Der Vortrag endete mit tosendem Applaus für die Referentin und die folgende Diskussion ermunterte dazu, sich selbst für eine wirksame Klimapolitik zu engagieren.
Mein Dank gilt allen Kooperationspartnern, insbesondere Gottfried Kögler, der den Vortrag eingefädelt hat, der Kunstbox als Gastgeber sowie Leo Fellinger für die tollen Fotos, dem Köstendorfer Bürgermeister Wolfgang Wagner und dem Seekirchner Vizebürgermeister Rupert Freundlinger für die Unterstützung, dem zahlreich erschienenen Publikum und aufrüttelnden und dennoch Mut machenden Referentin.

Hier noch der Hinweis auf das lesenswerte Buch „Für Pessimismus ist es zu spät. Wir sind Teil der Lösung“ von Prof. Helga Kromp-Kolb. In diesem beschreibt die Klimaforscherin nicht nur die Folgen der Klimakrise sowie die bisherige Geschichte der Klimaforschung und -politik, sondern auch die Hürden und Gelingensfaktoren für den notwendigen Wandel.
Kromp-Kolb spricht im Buch von multiplen Krisen, die zur Überforderung von Gesellschaften führen können. Sie spricht von näher rückenden ökologischen Grenzen, Vertrauensverlust in die Institutionen, Beschleunigung durch Digitalisierung, Skandale in der Politik, Überreichtum der einen bei gleichzeitiger Verarmung anderer, sowie von Fragmentierung, die ganzheitliche Lösungen erschwert. Ihre Schlussfolgerung lautet:
„Wenn eine Krise die andere ablöst und die zugrundeliegenden Probleme nie gelöst werden, gewinnt kurzfristiges Denken immer mehr die Oberhand und die Probleme vermehren sich. Das kann auch eine Ursache für das Erstarken von Populisten und autoritären Regimen und die Schwächung der Demokratie sein. Mit populistischen Regierungen lassen sich längerfristige Vorhaben wie Klimaschutz nicht umsetzen, da sich deren Positionen mit der Stimmungslage in der Bevölkerung ändert.“ (Für Pessimismus ist es zu spät. Wir sind Teil der Lösung. Wien 2023, S. 63)
Bericht: Hans Holzinger Fotos: Leo Fellinger
Beitrag in der „Dorfzeitung“ von Leo Fellinger

Prof. Helga Kromp-Kolb mit Gottfried Kögler (e5-Team Köstendorf), Bgm. Wolfgang Wagner (Köstendorf), Vzbgm. Rupert Freundlinger (Seekirchen) und Hans Holzinger (Salzburger Bildungswerk Seekirchen)