Wir Menschen sind von der Evolution her nahbereichsgeprägt. Dinge, die vor Ort passieren, berühren uns mehr als Dinge die weit weg von uns geschehen. Das ist normal und nicht an sich verwerflich. Doch hat sich in unserer Wohlstandswelt eine gewisse Gleichgültigkeit gegen Unrecht, Leid, Zerstörung und Widersprüchen breit gemacht. Autofahrer beschweren sich darüber, dass der Benzin schon wieder teurer wird aufgrund des neuen Krieges im Nahen Osten. Die Politik beeilt sich, den Sprit steuerlich zu entlasten, um bei den Menschen zu punkten – dies trotz Budgetknappheit.

Dass der Krieg an sich der Skandal ist – das Leid und die Zerstörung, die dieser anrichtet –  wird ausgeblendet. Tanken darf nicht teurer werden, es könnte ja wieder die Inflation antreiben und das schwache Pflänzlein erneuten Wirtschaftswachstums abtöten. Tipp: Man könnte den Warenkorb zur Berechnung der Inflation  ökologischer gestalten.

Ja, aber es gibt Menschen, die auf das Auto angewiesen sind, um in die Arbeit zu kommen oder die Kinder in die Schule zu bringen, hört man schnell als Argument. Diese Menschen gibt es, aber ein etwas höherer Spritpreis führt nicht dazu, dass das Leben nicht mehr händelbar wäre. Im Verhältnis zu anderen Gütern, insbesondere Wohnungsmieten, sind die Spritpreise in den letzten Jahrzehnten – kaufkraftbereinigt – kaum gestiegen.

Klar ist, dass mit schlechterer Öffi-Anbindung der Autobesitz steigt. Laut einer aktuellen Studie[1] hängt der Motorisierungsgrad aber stark vom Einkommen ab: Während vom ärmsten Viertel aller Haushalte in Österreich 45 Prozent keinen Pkw besitzen, geht dieser Anteil beim reichsten Viertel auf elf Prozent zurück. Hingegen verfügen im 4. Quartil der Haushalte 43 Prozent über zwei oder mehr Autos. Allein aus Klimaschutzgründen bräuchten wir mehr also Anreize, dass die Menschen auf Alternativen umsteigen. Und die Hälfte des Autoverkehrs ist mittlerweile ohnedies Freizeitverkehr – so Zahlen zum Bundesland Salzburg.

Tempobremse hilft mehr als Spritpreisbremse

Die von der österreichischen Bundesregierung beschlossene Spritpreisbremse um 10 Cent pro Liter Benzin und Diesel wird mit der Verhinderung eines erneuten Durchrauschens der Inflation wie beim Beginn des Krieges gegen die Ukraine argumentiert. Das scheint eher Symbolpolitik zu sein nach dem Motto: Wir tun etwas. Die Vorschläge der Freiheitlichen – sie wollen 40-50 Cent als Bremse – sind reiner Populismus, da nicht finanzierbar. Bedient wird einmal mehr ihr Feindbild „CO2-Steuer“.

Zehn Cent sind kaum spürbar. Deutlich mehr spürbar sind Maßnahmen wie spritsparendes Fahren – ausgeglichene Fahrweise, keine zu rasche Beschleunigung sowie generell das Tempo runterzunehmen. Eine vom Staat verordnete Temporeduktion von 100 km/h auf Autobahnen und auf 80 km/h auf Bundes- und Landesstraßen würde den Spritverbrauch – und zugleich die CO2-Emissionen – um 20 Prozent verringern.[2] Auf Pendelwegen sind auch Fahrgemeinschaften ein Weg. Am meisten spart man, wenn man vom Auto ganz wegkommt – das Klimaticket ist trotz geringer Verteuerung durch die aktuelle Regierung noch immer attraktiv – bzw. wenn man die Möglichkeit hat, auf ein E-Auto umzusteigen. Und der Königsweg bleibt Mobilität wieder zu verringern: Städte und Orte der kurzen Wege, intelligente Planung aller Besorgungen, Fahrten streichen – wie gesagt, allein in Salzburg sind die Hälfte aller Autofahrten Freizeitfahrten.

PS: Meine persönliche Mobilität ist bereits postfossil!


[1] https://new.awblog.at/Kommunales/wovon-haengt-der-besitz-eines-autos-ab

[2] https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/mobilitaet/mobilitaetsdaten/tempo