Der Trainer des FC Sevilla Matías Almeyda sprach in einem Interview offen darüber, wie absurd die Prioritäten in der Welt manchmal wirken: „Heute gibt es Kriege, und wir sprechen über ein Fußballspiel. Das zeigt, dass uns vieles egal geworden ist.“ Er stellte auch eine drastische Rechnung auf: Ein einziger Raketenangriff könne bis zu 50 Millionen Euro kosten. Mit diesem Geld könnte man stattdessen Hunger bekämpfen oder Bildung finanzieren. „Warum investieren wir diese 50 Millionen nicht in Reis oder Bildung, statt Raketen zu starten?“ Almeyda erinnert damit daran, dass Fußball zwar wichtig ist – aber es größere Probleme in der Welt gibt.[1] Ein Beispiel, das Schule machen sollte.
Die Milliardenkosten des Krieges im Nahen und Mittleren Osten sind aus Sicht des UNO-Nothilfekoordinators Tom Fletcher beschämend hoch im Vergleich zu den globalen humanitären Spenden. Der Krieg koste eine Milliarde US-Dollar pro Tag, so der Chef der humanitären UNO-Helfer in Genf. Er empfinde Scham angesichts dieser Geldmenge, mit der man auch Millionen Leben retten könnte.[2] Andere Quellen gehen sogar von noch höheren Kosten aus.[3]
Das Töten geht weiter
Bei den israelisch-amerikanischen Angriffen in Iran sind nach jüngsten Angaben des Roten Halbmonds mehr als 100.000 zivile Einrichtungen beschädigt oder zerstört worden (Stand Ende März). Allein in der Hauptstadt Teheran wurden demnach fast 40.000 Wohngebäude und Geschäftseinheiten getroffen. Zudem seien in den vergangenen vier Wochen rund 600 Schulen und fast 300 Gesundheitszentren angegriffen worden, teilt der Rote Halbmond auf der Plattform X mit.[4]
Zum anderen wird aber auch der „Preis des Wegsehens“ thematisiert, also die Notwendigkeit des Einschreitens, wie etwa die taz-Journalistin Lisa Schneider betont. Der derzeitige Krieg in Iran sei eine Folge einer jahrelang von der iranischen Führung betriebenen, ihrerseits eskalativen Politik: „Es gab viele Versuche, dieser Politik diplomatisch zu begegnen – in der Summe mit enttäuschendem Resultat. Dass dem Regime irgendwann also mit Gewalt begegnet werden würde, war nur eine Frage der Zeit. Ebenso wie das absehbare Ergebnis, dass alle Seiten für diesen Konflikt einen hohen Preis bezahlen würden.“[5]
Bemühen um Gespräche
Der pakistanische Außenminister Ishaq Dar kündigt baldige Gespräche zwischen Iran und den USA über den Krieg im Nahen Osten an. Pakistan werde Gastgeber der Gespräche sein, erklärt Dar. Er machte aber keine Angaben dazu, ob es sich um ein direktes oder ein indirektes Gesprächsformat handeln werde. Aus Teheran und Washington liegen bislang keine Stellungnahmen vor. China hat Pakistan im Bemühen, im Iran-Krieg zwischen Washington und Teheran zu vermitteln, den Rücken gestärkt. „Wir schätzen Pakistans Bemühungen zur Deeskalation der Lage und unterstützen Pakistan in seiner weiteren Vermittlerrolle“, sagte Außenamtssprecherin Mao Ning bei einer Pressekonferenz in Peking. China sei bereit, sich mit Pakistan und allen relevanten Parteien abzustimmen, um gemeinsam für Frieden zu werben, die Feindseligkeiten einzustellen und regionalen Frieden und Stabilität zu gewährleisten.[6]
Gewinner jedes Krieges ist die Rüstungsindustrie
Seit dem Krieg Putins gegen die Ukraine hat sich das militärische Sicherheitsdenken verschärft, der neue Krieg im Nahe Osten tut das Seinige dazu. Selbst Angriffe mit iranischen Langstreckenraketen, die Europa treffen könnten, werden mittlerweile ins Treffen geführt. Europa rüstet daher auf wie lange nicht. Davon profitiert auch die deutsche Rüstungsindustrie: Laut einem neuen Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI ist Deutschland inzwischen viertgrößter Waffenexporteur der Welt – und hat China überholt. Fast ein Viertel der deutschen Exporte flossen im Zeitraum zwischen 2021 und 2025 in die Unterstützung der Ukraine. Weitere 17 Prozent wurden dem Bericht zufolge in andere europäische Länder exportiert. „Auch die Lieferungen in andere traditionelle Exportziele wie Ägypten und Israel sind gestiegen“, sagte die SIPRI-Expertin Katarina Djokic.[7]
Beängstigend sind auch das Wettrüsten und Säbelrasseln in Asien. Chinas Militärausgaben steigen permanent an, Taiwan rüstet mit Milliarden sein Land auf. Auch Japan hat seine Ära der militärischen Mäßigung hinter sich gelassen. Taiwans Parlament hat der Regierung grünes Licht für den Abschluss von Waffengeschäften mit den USA im Wert von neun Milliarden Dollar (acht Mrd. Euro) gegeben. Die Abgeordneten stellten die nationale Sicherheit an die erste Stelle und verteidigten die territoriale Integrität, sagte Parlamentspräsident Han Kuo-yu bei der Verlesung einer einstimmig angenommenen Resolution.[8]
Das chinesische Militärbudget wird erneut deutlich wachsen. Bei der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses in Peking im März 2026 legte die Regierung einen Haushaltsentwurf vor, der eine Steigerung der Verteidigungsausgaben um 7,2 Prozent auf rund 1,78 Billionen Yuan (etwa 231 Milliarden Euro) vorsieht. Bereits im Vorjahr war das Budget in der gleichen Größenordnung gewachsen.[9]
China liefert sich ein Wettrennen mit den USA bei Entwicklung und Einsatz Künstlicher Intelligenz im Militär. Der neue Fünfjahresplan wird die Geschwindigkeit nochmal erhöhen. Künstliche Intelligenz übernimmt eine Schlüsselrolle in der Modernisierung der Volksbefreiungsarmee auf dem Weg zu einer „Armee von Weltklasse“. Die koordinierte Entwicklung der „Mechanisierung“, also Maschinerie und Ausrüstung, und „Informatisierung“, Cybernetzwerke zum Austausch von Echtzeit-Informationen, zusammen mit der „Intelligentisierung“ durch KI müsse „beschleunigt“ werden, heißt im neuen Fünfjahresplan, den Chinas Volkskongress auf seiner Jahrestagung in Peking diskutiert hat. [10]
Es gibt mittlerweile Befürchtungen, dass China im Schatten des Irankriegs Taiwan angreifen könnte. Der Historiker Moritz Pöllath, Dozent an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Reserveoffizier der Bundeswehr, warnt vor einem Dritten Weltkrieg schon 2027, ausgelöst durch den Versuch der chinesischen Führung, Taiwan zu besetzen.[11] Auch wenn solche Warnungen mit Vorsicht zu genießen sind – Wachsamkeit ist anzuraten – nicht in dem Sinne, dass noch mehr aufgerüstet wird, sondern, in dem alles getan wird, weitere Eskalationen zu verhindern.[12]
Hinterfragung des Aufrüstungswahns
„Gerade weil es als so selbstverständlich normal dargestellt wird, muss man sich das Ungeheuerliche der gegenwärtigen Hochrüstungswelle in ganz Europa vor Augen zu führen“, so Werner Wintersteiner.[13] Der Befund des Friedensforschers: Mit 2026 haben die USA und Russland alle Vereinbarungen zur Rüstungskontrolle gekündigt oder auslaufen lassen. Zugleich explodieren ihre Rüstungsetats und die der NATO-Staaten in unvorstellbare Höhen, in Deutschland sollen neue US-Mittelstreckenraketen stationiert werden. Fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts wollen die NATO-Saaten für Kriegsvorbereitungen ausgeben. Die EU stellt im Rahmen von ReArm Europe, inzwischen umbenannt in das neutraler klingende Readiness 2030, die gigantische Summe von 800 Milliarden Euro für Aufrüstung bereit. Die EU-Ausweichklausel für Rüstungsausgaben ermöglicht ein sanktionsfreies Abweichen vom Budgetplan. Auch das hochverschuldete Österreich will davon Gebrauch machen, also mehr Schulden für Aufrüstung.
Kritik an dieser neuen Aufrüstungswelle kommt selbst von erfahrenen Militärs. Wintersteiner zitiert in seinem Beitrag für die Zeitung des Friedensbüros Salzburg August Pradetto, emeritierter Professor der Universität der Bundeswehr Hamburg: „In Wahrheit folgt diese Aufrüstung einem transatlantischen Stereotyp und einem instinktiven Reflex, gespeist aus Angst, altem Blockdenken und der Unfähigkeit, eigene Fehlannahmen zu überdenken. Dieses Aufrüsten im Eiltempo basiert auf Worst-Case-Bedrohungsszenarien und Annahmen, die von der Realität weitgehend abgekoppelt sind.“[14]
Wir leben in beunruhigenden Zeiten. Liest man die gegenseitigen Drohgebärden zwischen Donald Trump bzw. seinen Gefolgsleuten und der iranischen Führung, kommt einem das Schaudern. Die Sprache verroht in jedem Krieg – in diesem in besonderer Weise. Es wäre verkehrt, sich angesichts der Verrohung und Eskalation zurückzuziehen und dem Geschehen seinen Lauf zu lassen. Was wir brauchen, sind neue Friedensbewegungen und Stimmen der Friedens- und Konfliktforschung in den öffentlichen Debatten und Diskursen.
[1] Quelle: Facebook – Fußball aktuell, 14.3.2026
[2] Quelle: ORF, 11.3.206, https://orf.at/stories/3423544
[3] Quelle: NZZ, https://www.nzz.ch/podcast/mehr-als-bomben-und-raketen-die-wahren-kosten-des-iran-kriegs-nzz-geopolitik-ld.1930806
[4] Quelle: ZDF, 29.3.26, https://www.zdfheute.de/politik/ausland/iran-israel-usa-angriff-liveblog-100.html
[5] Quelle: taz, 28.3.2026, https://taz.de/Kosten-des-Kriegs-mit-Iran/!6162906/
[6] Quelle: ZDF, 29. und 30.3.2026, https://www.zdfheute.de/politik/ausland/iran-israel-usa-angriff-liveblog-100.html
[7] Quelle: FAZ 9.3.2026, https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/china-bei-waffenexporten-ueberholt-deutschland-rueckt-laut-sipri-bericht-vor
[8] Quelle: ORF 13.6.2026, https://orf.at/stories/3423702
[9] Quelle: Deutsche Welle, https://www.dw.com/de/chinas-f%C3%BChrung-setzt-weiter-auf-aufr%C3%BCstung/a-71832435
[10] Quelle: China.Table, 15.3.2026, china@briefing.table.media
[11] Quelle: https://www.tagblatt.ch/international/dritter-weltkrieg-schon-2027-experte-warnt-vor-taiwan-konflikt-ld.4126427 Vgl. auch sein vor kurzem erschienenes Buch „Krieg 2027? Wenn Geschichte sich wiederholt.“
[12] Vgl. dazu meinen Blogeitrag https://hans-holzinger.org/2025/03/19/geopolitik-reloaded-statt-neuen-konfrontationsfronten-brauchen-wir-neue-kooperationsstrukturen/
[13] Mehr Sicherheit ohne Waffen! In: Kranich. Zeitung des Friedensbüros Salzburg 1/2026. https://www.friedensbuero.at/wp-content/uploads/2026/03/kranich_01_26_digital.pdf
[14] Ebd.