Mein Leserbrief in den Salzburger Nachrichten vom 11.9.2023

Der Lufthunderter zwischen Salzburg und Golling hat die Luftmesswerte nachweislich verbessert, darum schaffen wir ihn wieder ab – welche Logik verbirgt sich hier dahinter? Das wäre etwa so, als würden Strafgesetze wieder abgeschafft, weil diese die Straftaten verringert haben. Übrigens: Laut Umweltbundesamt würde Tempo 100/80 die Treibhausgase in Österreich um ein Drittel verringern, zu Null Mehrkosten. Im Gegenteil: Generelle Tempobeschränkungen würden auch die Unfallhäufigkeit senken, was uns  menschliches Leid und dem Staat Kosten ersparen würde. Zugleich gingen der  Spritverbrauch und damit die Treibstoffkosten spürbar zurück.

Die Antwort von LAbg. Michael Költringer

Sehr geehrter Herr Holzinger!

In ihrem Leserbrief vom 11.9.2023 sagen sie, dass der Luft Hunderter die Werte massiv verbessert hat. Der IGL-100 wurde wegen Werten über 40 mg eingeführt, und hatte vor Jahren seine Berechtigung. Da der technologische Fortschritt bei den Autos und besonders bei den Lkws die Motoren und somit auch den Schadstoffausstoß immens verbessert haben, ist das Argument des Tempos nicht mehr das einzige das zu beachten ist.

Leider wird diese Tatsache der Motoren nicht beachtet, und jetzt nicht überraschend der Treibstoffverbrauch usw. ins Spiel gebracht. Eine durchsichtige Sache! Und nein, es passierten auf diesem Teilstück zwischen Golling und Salzburg nicht viele Unfälle weil 130 gefahren wurde. Ebenso passierten nicht viele Unfälle bevor der 80er eingeführt worden ist. Ganz im Gegenteil, da viele LkW über 80 fuhren, gab es ständig riskante Manöver und gefährliche Situationen! Ich bin der festen Überzeugung, dass weder der 100er noch die 130 zwischen Salzburg und Golling die Werte aus den genannten Gründen erhöhen werden!

Und hier meine Replik:

Sehr geehrter Herr Költringer!

Besten Dank für Ihre Argumente für die Aufhebung der 100er-Beschränkung zwischen Salzburg und Golling. Mir ist bewusst, dass diese rechtlich okay ist. Dass die Motoren besser geworden sind, leuchtet mir auch ein. Rein physikalisch bleibt aber, dass die Emissionen steigen bei höherer Geschwindigkeit, weil auch der Spritverbrauch steigt – wenn auch auf niedrigerem Level. Spritkosten sinken daher bei geringerem Tempo weiter. Als Problem bleibt, dass die Autos nachweislich größer geworden sind (SUVs), möglicherweise das PKW-Aufkommen weiter zunimmt – dann hätten wir den sogenannten Reboundeffekt.

Die aktuell gültigen Grenzwerte werden wohl eingehalten werden, auch wenn die EU an eine Verschärfung denkt. Ich finde es das falsche Signal in einer Zeit, in der die Klimakrise nicht mehr zu leugnen ist. Wir hatten uns an die Tempobeschränkungen gewöhnt. Das ist für mich ähnlich, als würde man das Mülltrennen wieder aufheben.

PS: Ich selbst fahre aus Klimaschutzgründen kaum mit dem Auto (Farhrad, E-Bike, Zug und Bus reichen mir). Wenn eine Fahrt unbedingt notwendig ist, dann freiwillig nur 80/100, weil für mich das einfach bedeutend sicherer ist – auch physikalisch erklärbar. Bin aber kein schlechter Autofahrer!

Zuletzt: Meine Daten zu CO2-Verbrauchsminderung und Unfallgefahren beziehen sich auf eine Studie des Umweltbundesamtes, die Sie vielleicht  noch nicht kennen. Hier ein Auszug:

Welche Vorteile haben Tempolimits auf Autobahnen?

„Weniger Schadstoffe, weniger Treibstoffverbrauch, weniger Lärm und mehr Verkehrs­sicherheit: Pro gefahrenem Kilometer emittiert ein PKW bei Tempo 100 statt Tempo 130 im Schnitt um 49,7% weniger Stickoxide und um 34,2% weniger Feinstaub. Zusätzlich reduziert man durch die niedrigere Geschwindigkeit die CO2-Emissionen um rund 23% und spart damit ebenso viel Treibstoff.“ (Umweltbundesamt)