90 Prozent einer Umfrage von Bitcom wünschen sich sichere und verlässliche Informationen im Internet. 62 Prozent reduzieren ihren Internetkonsum bewusst, wenn sie die Nachrichtenflut überfordert. 58 Prozent gaben an, dass sie oft nicht wissen, welchen Nachrichten im Internt sie vertrauen können. Und 50 Prozent fühlen sich durch die Masse der Informationen überfordert. Diese Daten nahm der Journalist und Universitätslektor Dr. Gerhard Rettenegger in seinem Vortrag „Achtung, Fake News!“ zum Ausgangspunkt seiner Ausführungen. Eine kritische Haltung gegenüber ungeprüften Inhalten, die Recherche der Quellen sowie grundsätzlich die Beschränkung des Medienkonsums sowie die Konzentration auf Qualitätsmedien nannte der ORF-Journalist als wichtige Grundhaltungen. Merkblatt über Faktencheck-Seiten

Manipulation mittels Künstlicher IntelligenzAnfälligkeit für Verschörungsmythen

An zahlreichen Beispielen zeigte Rettenegger, wie mittlerweile mittels Künstlicher Intelligenz Bilder und Videos generiert werden, die von echten Aufnahmen nicht mehr zu unterscheiden seien. Zum Problem werde dies, wenn damit Fake News transportiert werden, wenn Menschen bewusst diffamiert werden, wie etwa in eniem Foto, das den bei einer Rede stolpernden US-Präsidenten Joe Biden mit Pampers darstellt. Die Erscheinungsformen von Fake News sind unterschiedlich, so Rettenegger: Informationen werden frei erfunden, absichtlich aus dem Zusammenhang gerissen, die Wirklichkeit wird verzerrt abgebildet, indem zum Beispiel Zahlen oder Fakten aus dem Zusammenhang gerissen werden. Häufig werde eine Minderheitsmeinung als Mehrheitsmeinung dargestellt.

Hier sei der Weg zu Verschwörungsmythen nicht weit. Angesichts einer immer komplexer werdenden Welt würden diese auf fruchtbaren Boden fallen: Merkmale seien Angstmache, die Abwertung des Staates oder der „Eliten“ sowie Behauptungen, die als einzige Wahrheit dargestellt werden.

Fake News entlarven – sich kritische Fragen stellen

Rettenegger gab folgende Empfehlungen: Behauptungen über eine Recherche in einer Suchmaschine oder ein Faktencheck-Portal prüfen, Titel und Inhalt überprüfen, vorsichtig sein bei allzu reißerischen Schlagzeilen, die Quelle der Nachricht recherchieren, etwa im Impressum der Seite. Neben Fake News gibt es auch immer mehr Internet-Betrug – durch gefakte Rechnungen oder angebahnte Kontakte, die letztlich zur Zahlung von oft hohen Beträgen verführen. Auch hier sei Vorsicht geboten und allenfalls die Polizei aufzusuchen.

Das Interesse am Thema war groß. An die 40 Interessierte waren in den Hofwirt gekommen, um sich über die Zunahme von Fake News und was wir dagegen tun können, zu informieren. Ausführlich ging der Referent auf alle Fragen des Publikums ein. Links zu Portalen über Fakten-Checks wurden in einem Infoblatt verteilt. Dieses kann hier downgeloadet werden: www.medienzukunft.info/merkblatt-fake-news.

Die Veranstaltung – die letzte des Bildungswerk Seekirchen in diesem Jahr – war Teil des Medienmonats des Salzburger Bildungswerks. Bericht und Fotos: Hans Holzinger

Dr. Gerhard Rettenegger mit Bildungswerkleiter Mag. Hans Holzinger.
Foto: Luisa Grabenschweiger