Neun von zehn Gütern, die im Westen konsumiert werden, stammen aus Übersee. Es mag absurd klingen, aber es ist so: Weit entfernt hergestellte Produkte sind hierzulande oft billiger als jene aus näherer Umgebung, die auf dem Landweg transportiert werden. Das eigentliche Rückgrat der globalisierten Wirtschaft von heute ist die Seefrachtmaschinerie mit ihrer Armada an gigantischen Schiffen und ihrem unschlagbaren Geschäftsmodell. Weil Luftfracht um das Fünfzigfache teurer ist als Seefracht, werden 90 Prozent aller Güter weltweit auf dem Seeweg transportiert.

Die unter Fremdflaggen fahrenden Schiffe heuern Besatzungen aus Ländern an, die über keine oder geringe Arbeitsrechte verfügen. 40 Prozent der Arbeitskräfte stammen allein aus Philippinen. Die Billigarbeitskräfte sind acht Monate und mehr auf den Schiffen „gefangen“ – ohne Internet oder Smartphone-Kontakt zu ihren Familien. Die globale Frachtschifffahrt ist für über 4 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, das verwendete billige Öl für den Antrieb der Motoren verpestet die Luft für die Anrainer:innen der großen Häfen, der Lärm der Motoren zerstört den Orientierungssinn der Wale.

Diese und weitere ökologische sowie soziale Probleme der internationalen Containerschifffahrt zeigt die SFR-Doku „Seeblind“ auf. Sie wurde beim fairen Filmfrühstück am 25. Jänner in der Stadtbibliothek Seekirchen, einer gemeinsamen Veranstaltung des Bildungswerk Seekirchen und der FAIRTRADE-Gruppe Seekirchen, gezeigt. Das Interesse war groß: Über 40 Interessierte waren der Einladung gefolgt.

In der dem Film folgenden Diskussion ging es um bessere rechtliche Regulierungen für die Frachtschifffahrt ebenso wie um ein bewussteres Konsumverhalten. Stichworte waren langlebige und fair produzierte Produkte, die Förderung der lokalen Wirtschaft sowie generell die Zurücknahme des Konsums.

Großer Dank gilt der Gastgeberin Daniela Lukits, Leiterin der Stadtbibliothek Seekirchen, und ihrem Team sowie insbesondere der FAIRTRADE-Gruppe Seekirchen um Susanne Nobis, die das köstliche Frühstück mit biologischen Produkten aus der Region und natürlich fair gehandeltem Kaffee und Tee zubereitet hatte.


Bericht: Hans Holzinger, Fotos: Luisa Grabenschweiger, Anton Wintersteller

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