Das Völkerrecht regelt die Beziehungen zwischen den Völkerrechtssubjekten, meist Staaten, auf der Grundlage der Gleichrangigkeit. Es gewährleistet die territoriale Souveränität jedes Landes. Militärische Eingriffe zur Einmischung in die Angelegenheiten eines anderen Staates sind untersagt – außer zur Verteidigung, wenn man selbst angegriffen wird. Die zweite Ausnahme: Es gibt einen Beschluss des UN-Sicherheitsrates bei gravierenden Verstößen gegen Menschenrechte – dann spricht man von einer humanitären Intervention. Das Völkerrecht hat aber eine Schwäche: Es wiegt auch Diktatoren, Terrorregime, die Menschenrechte massiv verletzende Regierungen in Sicherheit. Und der UN-Sicherheitsrat, der in solchen Fällen das Mandat zum Eingreifen hätte, greift nicht ein, weil es dafür in der Regel keine Mehrheit gibt – Beschlüsse müssen einstimmig gefasst werden. Das macht die Sache kompliziert – doch einfach ist in einer komplexen Welt ohnedies nichts.

Im Falle der Ukraine ist die Lage eindeutig –  das Land wurde von der russischen Armee überfallen und es wird weiterhin auf Befehl Putins bombardiert. Es gilt das Recht auf Selbstverteidigung. Das erübrigt es nicht, darüber nachzudenken, welche Verteidigungsstrategie die klügere ist und welchen Preis man bereit ist zu zahlen für einen Kompromiss. Klar ist: Grenzveränderungen sind nicht per se tabu – aber sie sollten via Volksabstimmung erfolgen, nicht mittels Gewalt.

Das Völkerrecht mit seinen Stärken und Schwächen

Wie ist die Lage im Falle des nun massiven Angriffs auf den Iran durch israelische und US-amerikanische Streitkräfte? Völkerrechtsexpert:innen sind sich weitgehend einig, dass der Angriff völkerrechtswidrig ist, weil keine unmittelbare Bedrohung für Israel, geschweige denn die USA gegeben sei. Eine davon ist Anne Peters, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Völkerrecht in Heidelberg und Mitglied im völkerrechtswissenschaftlichen Beirat der deutschen Bundesregierung. Rechtlich sei nur eine „humanitäre Intervention“ nach Beschluss der Vereinten Nationen. Doch diese Intervention hätte zur Verhinderung des Massakers  bei den Protesten im Jänner 2026 erfolgen müssen, so Peters: „Da hat dann Trump zwar gesagt, Hilfe sei unterwegs, aber jetzt, als es dann losging, ist überhaupt nicht mehr die Rede davon.“ Die Idee der humanitären Intervention werde bereits seit Jahrzehnten im Völkerrecht diskutiert. Ein Fall, in dem sie als Rechtfertigung vorgebracht wurde, sei der Einsatz der NATO im Kosovo 1999 gewesen. Die n sei jedoch missbrauchsanfällig, daher müsse der Sicherheitsrat der UN grünes Licht geben.[1]

Der Wiener Völkerrechtler Ralph Janik drückt das Dilemma so aus: „In unserer unübersichtlichen Welt haben viele Staaten Anlass, sich bedroht zu fühlen. Wenn einer von ihnen sich das Recht herausnimmt, jederzeit oder so früh wie möglich gegen seine Feinde vorzugehen, muss man es konsequenterweise allen zugestehen. Am Ende bliebe vom völkerrechtlichen Gewaltverbot nichts mehr über.“[2]

Viele Kräfte in der Friedensbewegung kritisieren den militärischen Angriff ebenfalls als völkerrechtswidrig. So heißt es in einem Manifest der Initiative „Nie wieder Krieg“: „Wir verurteilen die erneute völkerrechtswidrige Aggression der USA und Israels gegen den Iran und die Ermordung seines Staatsoberhaupts aufs schärfste. Es ist auch diesmal ein hinterhältiger Überfall während laufender Verhandlungen und wie der Angriff auf Venezuela vor wenigen Wochen ein Akt nackter imperialistischer Gewalt. Es handelt sich um einen weiteren unprovozierten Angriffskrieg, der unverhüllt auf einen Regime Change zielt, gerechtfertigt mit haltlosen Vorwürfen einer atomaren Bedrohung durch den Iran.“ [3]

Das Problem der Rüstungsspirale

Aus der Kriegsursachenforschung wissen wir, dass die Wahrscheinlichkeit eines Krieges steigt, wenn hochgerüstet wird und sich Nachbarstaaten dadurch gegenseitig bedroht fühlen. Gesprochen wird hier von einer Spirale des Wettrüstens bzw. vom Dilemma der Sicherheit durch militärische Aufrüstung – ein Staat rüstet auf, um gegen andere Staaten gerüstet sein, was zur Aufrüstung der anderen Staaten führt usw.[4] Der nächste Schritt in der Eskalation tritt ein, wenn einer der tangierten Staat zu einem Präventivschlag ansetzt. So in etwa lautet die zentrale Argumentation und Strategie der israelischen Regierung, wenn sie auf neue Raketensysteme der iranischen Streitkräfte verweist, durch die sie sich bedroht fühlt. Dazu kommt die Unterstützung der Hamas im Gaza, der Hisbollah im Libanon und der Huthi-Rebellen im Jemen durch das iranische Regime als permanente Bedrohungen für Israel.[5]

Das Argument der atomaren Bedrohung zieht nicht mehr Recht, weil zum einen die internationale Atomenergiebehörde betont, dass der Iran derzeit über nicht genug anreicherungsfähiges Uran für den Bau einer Atombombe verfüge[6], zum anderen, weil US-Präsident Trump nach den Militärschlägen vom Juni 2025 selbst verkündet hatte, dass die Fähigkeiten zur Urananreicherung zerstört worden seien.

Der Politikwissenschaftler Heinz Gärtner kritisiert, dass die USA und Israel das Scheitern der Atomverhandlungen provoziert hätten. Bereits 2015 habe Trump den Vertrag aufgelöst, im Juni 2025 wie jetzt im März 2026 hätten die Bombardements einen neuen Vertrag verhindert.[7]

Hoffnung auf einen Regimewechsel

Es gibt aber –  so eine dritte Position –  nicht wenige, die die militärischen Angriffe auf den Iran sowie die Liquidierung zentraler Führungspersönlichkeiten aus der politischen und militärischen Riege des Iran mit dem Verweis auf die massiven Menschenrechtsverletzungen – das Blutbad im Jänner ist noch in guter Erinnerung –  befürworten bzw. zumindest tolerieren. Das Problem wird in der Selbstblockade des UN-Sicherheitsrates gesehen. Der Sicherheitsrat hätte eigentlich „schon im Fall der Anhäufung von Massenvernichtungswaffen, auch wenn das noch kein direkt unmittelbar bevorstehender Angriff ist“, eine Friedensbedrohung sehen und auch einen militärischen Einsatz erlauben können, so nochmals Anne Peters, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Völkerrecht in Heidelberg.[8]

Die Journalistin und Iranexpertin Natalie Irin hofft auf einen Regeimewechsel. Sie plädiert ebenfalls für eine Neujustierung des Völkerrechts, damit massive Menschenrechtsverletzungen wie jene durch das iranische Regime unterbunden werden können. [9] Regime-Change ist jedoch kein leichtes Unterfangen, betonen etwa die Völkerrechts- und Nahostexpertin Yvonne Karimi-Schmidt und Politikwissenschaftler Heinz Gärtner. Im Iran gäbe es dezentrale Kommandostrukturen sowie eine breite Bewaffnung von Milizen – sollten der Wechsel gelingen, müssten diese Kräfte erneut integriert werden. Es bestehe auch die Gefahr, dass das Regime mit einigen Zugeständnissen weiter an der Macht bleibe.[10]

Manche hoffen auf den Sohn des ehemaligen Schahs, der sich als Übergangsfigur für demokratische Wahlen ins Spiel gebracht hat. Dass er aus dem sicheren Exil im Jänner dieses Jahres zum Aufruhr aufgerufen hat, erscheint mir unverantwortlich. Er misste wissen, dass das Regime die Proteste blutig niederschlagen würde. Die gebürtige Iranerin und Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich, Shoura Hashemi, ist skeptisch, ob Reza Pahlavi die geeignete Person sei. Er habe Anhänger im Iran selbst und könne seine Geschichte nicht abstreifen. Sie plädierter für einen schrittweisen Übergang, wenn dieser überhaupt möglich würde.  Man müsse untrscheiden zwischen jenen, die aus Opportunismus dem System dienen, und jenen, die systematisch und aus Überzeugung Verbrechen begangen haben. Es bedeute, Anreize zu schaffen für Überläufer, für Whistleblower, für jene, die bereit sind, gegen ihre ehemaligen Kommandeure auszusagen. Die Menschenrechtsaktivistin: „Diese Prozesse müssen bereits jetzt vorbereitet werden. Nicht erst, wenn das Regime fällt und das Chaos ausbricht. Welche Garantien können gegeben werden? Welche Verfahren sind denkbar? Wie sähe eine Übergangsregierung aus, die sowohl Reformer aus dem alten System als auch Vertreter der Opposition einbindet?“ Diese Fragen seien unbequem. Sie fühlten sich falsch an, wenn man die Videos der getöteten Demonstranten gesehen habe. Aber sie seien notwendig.[11]

Durchsetzung hegemonialer Machtinteressen

Eine vierte Position argumentiert damit, dass es der US-Regierung gar nicht um die Menschenrechte gehe, auch nicht um die Bedrohung Israel oder gar der USA selbst, wie Trump in einer seiner vielen Begründungen für den Krieg angeführt hat, sondern um reine Machtinteressen. Die Hegemonie der USA auch im Nahen Osten solle durchgesetzt werden, der Iran als Verbündeter Russlands und Chinas – letzteres bezieht vom Iran große Mengen Erdöl – geschwächt werden. China als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hat 2025 nach Angaben der Analysefirma Kepler trotz internationaler Sanktionen gegen Iran 80 Prozent des iranischen Öls gekauft. Insgesamt komme etwa die Hälfte der chinesischen Ölimporte aus den Golfstaaten. Die Sperrung der Straße und die Unterbrechung der Lieferketten von Hormus löse in China eine „sehr große Besorgnis“ aus, wird Angela Stanzel von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin auf ARD zitiert. Eine Alternative sei es für China, noch mehr russisches Öl und Gas zu beziehen, so wie es das bereits in den vergangenen Jahren getan hat. Das wäre für China eine „relativ günstige und einfache Option“, was wiederum Russland zugutekäme.[12]

Manche gehen sogar so weit, dass der Krieg gegen den Iran insbesondere Russland und China gelte, sowie die NATO-Osterweiterung Putins Krieg gegen die Ukraine provoziert habe, mit dem Ziel sowohl Russland zu schwächen bzw. zu zerstückeln.[13] Dazu passt auch die Sichtweise, dass die USA ihre Petro-Dollar-Hegemonie gefährdet sehen – was bereits deren Kriege gegen den Irak und Libyen begründet habe.[14]

Ära der Destabilisierung durch Hegemoniekonflikt

Einige vertreten die These, dass wir aufgrund eines stärker werdenden Hegemoniekonflikts in eine Weltphase von mehr Kriegen eintreten würden. Nach einer zu Ende gehenden Ära der Pax Americana würden wir in eine Zeit des Übergangs in eine multipolare Welt bzw. einer neuen Hegemonialordnung treten, so etwa der Sicherheits- und Terrorexperte Peter R. Neumann, der gar die Gefahr eines Hineinschlitterns in einen Dritten Weltkrieg fürchtet.[15] Der Experte sieht in Bezug auf die Zukunft des Irans drei mögliche Szenarien, wovon er das erste für am wahrscheinlichsten hält: Das Mullah-Regime sowie die Revolutionsgarden sind zwar geschwächt, bleiben aber an der Macht, da sie gut organisiert sind. Am zweitwahrscheinlichsten hält er einen Bürgerkrieg zwischen den unterschiedlichen ethnischen Gruppierungen, am unwahrscheinlichsten einen demokratischen Übergang mit freien Wahlen. Die Iran-Expertin Natalie Amiri pflichtet ihm bei, auch wenn sie auf einen demokratischen Regimewechsel hofft. Der Machterhalt des gegenwärtigen Regimes bedeute nicht nur eine Fortsetzung der Unterdrückung, sondern verzeichne als größten Gewinner die Rüstungsindustrie, da alle nun zerstörte Waffenarsenale wieder aufgerüstet würden, so Amiri.[16]

Der Salzburger Völkerrechtsexperte Andreas Dür sieht ebenfalls im Hegemoniekonflikt den Treiber für mehr Instabilitäten. Dass die regelbasierte Weltordnung derzeit so massiv wankt, liege vor allem an der veränderten Rolle der USA. Während sich der „Hegemon“ in den vergangenen Jahrzehnten – trotz Ausnahmen wie dem Irak-Krieg 2003 – meist an das Völkerrecht hielt und dieses auch international durchsetzte, ist diese Bindung nun weggebrochen. „Wenn sich die USA als dominanter Akteur in der internationalen Politik nicht mehr daran halten, dann bricht das zusammen.“[17] Dass das Völkerrecht in absehbarer Zeit wieder mehr Beachtung findet, glaubt Dür nicht. „Das ist auch unabhängig von der Person Donald Trump. Es gibt Konflikte in den verschiedensten Gegenden, weil derzeit das Machtgleichgewicht in der Welt insgesamt fehlt.“[18]

US-Regierung im Kriegsrausch

Diese Analysen sind ernüchternd. Dazu kommt die weitere innenpolitische Verrohung in den USA. Der Krieg gegen den Iran wird von der Trump-Administration mittlerweile als Kreuzzug gegen das Böse inszeniert, wie Auftritte von Trump und seinen Gefolgsleuten zeigen.[19] Verteidigungsminister Pete Hegseth, der seit Trumps zweiter Amtszeit „Kriegsminister“ heißt, verlautete ein hier Pressekonferenz: „Wir sind erst vier Tage dabei und die Resultate sind historisch, wirklich historisch. Nur die USA könnten sowas anführen, nur wir … unsere radikalen islamischen iranischen Gegner sind Toast und sie wissen es …Das sollte niemals ein fairer Kampf sein und es ist kein fairer Kampf. Wir schlagen sie, während sie am Boden liegen und genauso soll es sein.“

Der Publizist Hans Rauscher, der dieses Zitat wiedergibt, befürchtet, dass sich die USA jenseits des Leids, dass auch dieser Krieg bedeutet, militärisch übernimmt –  zum Vorteil von Putin, der nun sein Öl wieder teurer verkaufen kann und zum Nachteil der Ukraine, die in Zukunft über weniger Abwehrwaffen verfügen könnte, da diese nun im Nahen Osten verschossen werden.[20]

Die martialische Rhetorik, mit der dieser Krieg in den USA gerechtfertigt wird, lässt nichts Gutes befürchten. Dazu kommt die religiöse Aufladung. Etwa zwanzig evangelikale Pastorinnen und Pastoren haben gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump einen Gebetskreis im Weißen Haus in Washington veranstaltet. Gemeinsam haben sie für einen militärischen Erfolg im Iran und für den Schutz der eigenen Truppen gebetet – ein Bild, das rasch viral ging.[21]

Ressourcenvergeudung und neue ökologische Probleme

Jenseits des Leids auch dieses Kriegs ist der Ressourcenverbrauch enorm. Der Iran hat in den ersten Tagen des Krieges nach Schätzungen bereits mit Hunderten Raketen und mehr als 1.000 Drohnen angegriffen, die USA und Israel haben über 2.000 Angriffe mit verschiedensten Waffen durchgeführt. Die BBC schreibt, dass eine einzelne Rakete für das Patriot-Luftabwehrsystem rund vier Mio. US-Dollar kostet (etwa 3,4 Mio. Euro) – 700 davon können jährlich produziert werden. Ein US-Thinktank schätzt, dass die USA insgesamt rund 1.600 derartige Raketen besitzen, der Vorrat nun aber stark zurückgeht. Und freilich brauchen die USA nicht nur im Nahen Osten Luftverteidigung, man könne also nicht einfach aus dem Pazifik jegliche Abfangsysteme abziehen.[22]

Jeder Krieg bedeutet nicht nur Tod und Zerstörung, sondern führt auch zu massiven ökologischen Schäden. Diese sind – so befürchten Umwelt-NGOs – beim neuen Nahost-Krieg besonders hoch, weil Öltanker sowie Ölraffinerien beschossen werden, Öl ausfließt und die Rauchwolken giftige Gase auf die Bevölkerung niedergehen lassen. Die Umweltjournalistin Susanne Götze zitiert die Umweltorganisation Conflict and Environment Observatory (CEOBS): „Wie groß die Umweltschäden tatsächlich sind und welche Gefahren den Anwohnern drohen, lässt sich laut CEOBS in der Region kaum überprüfen.“[23]

Verhaltene Kritik seitens der EU

Die Spitzen der EU von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen abwärts beteuerten zwar eine Rückkehr zur Diplomatie, ihre Kritik an der israelischen und der US-Regierung blieb jedoch verhalten.[24] Am vehementesten äußert sich der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez, der den USA die Benutzung von Militärbasen in Südspanien untersagte.  „Spaniens Position im Konflikt zwischen den USA und Israel gegen Iran ist ‚Nein zum Krieg‘“, so Sanchez in einer im Funk und Fernsehen übertragenen Ansprache. Wie bei der Ukraine oder beim Gaza-Krieg Israels sei Spanien gegen Gewalt. Zwar lehne seine Regierung „das schrecklichen Mullahregime“ ab, aber „eine Rechtswidrigkeit kann nicht mit einer anderen beantwortet werden“. Sánchez fordert ein Ende der Kampfhandlungen und eine diplomatische Lösung des Konflikts.[25]

Der französische Ministerpräsident Emanuel Macron war weniger konsequent. Fünf amerikanische Tankflugzeuge vom spanischen Luftwaffenstützpunkt Rota haben nach der spanischen Weigerung eine Genehmigung in Istres in Südfrankreich erhalten. „Amerikanische Flugzeuge, die operative Unterstützung leisten, werden akzeptiert“, teilte der französische Generalstabschef mit. Zudem ist Frankreich direkt in den Krieg involviert, da es über Verteidigungsabkommen mit Zypern, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Qatar verfügt. Frankreich ist auch mit 800 Blauhelmsoldaten der UNIFIL-Mission im Libanon engagiert. Verpflichtungen gebe es auch gegenüber Jordanien und dem Irak. 5000 Soldaten seien in Alarmbereitschaft, so eine Pressemeldung.[26]

Mahnende Stimmen aus dem Globalen Süden

Heftige Proteste kommen aus dem Globalen Süden. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Rolle der Konfliktparteien USA, Israel und Iran deutlich kritisiert und sie zu einem Umdenken aufgefordert. In einer eindringlichen Stellungnahme machte er deutlich, dass die Welt genug von anhaltenden Kriegen habe und stattdessen dringend mehr Diplomatie brauche. Verhandlungen seien kein Zeichen von Schwäche, betonte er, sondern vielmehr „der höchste Ausdruck menschlicher Intelligenz“.

Lula hob hervor, dass die Leidtragenden der aktuellen Gewalt nicht jene seien, die in Washington oder Tel Aviv militärische Entscheidungen treffen, sondern vor allem unschuldige Zivilisten. Brasilien setze sich deshalb für einen sofortigen Waffenstillstand ein sowie für echte Gespräche zwischen den Konfliktparteien – Gespräche, die nicht von Interessen der Rüstungsindustrie beeinflusst werden. Seine Kritik richtete sich dabei an alle beteiligten Seiten, denen Brasilien eine Mitverantwortung für die fortlaufende Eskalation zuschreibt.

Resümee: Keine einfachen Antworten

Dass Völkerrecht wurde immer wieder gebrochen und es hat – wie gezeigt wurde – auch Defizite. In Bezug auf den Krieg gegen die Ukraine plädiert der Philosoph Julian Nida-Rümelin dafür, die unterschiedlichen Erzählungen auf ihre Tauglichkeit zu prüfen, anstatt die eine gegen die andere auszuspielen.[27]  Dasselbe gilt wohl auch für den nunmehrigen Krieg im Nahen Osten, der von den USA und Israel angestoßen wurde. Jede Sichtweise hat Lücken, weist aber auch Zutreffendes auf.

Fürs erste bleibt daran zu erinnern, dass jeder Krieg unermessliches Leid bringt – das ist auch Aufgabe der Medien und der Kriegsberichterstattung. Zweitens braucht es tragfähige Lösungen für den gesamten Nahen Osten – dazu gehört die Anerkennung Israels auch durch den Iran – nicht eines Großisrael, sondern jenes in den ursprünglichen Grenzen. Die Hamas und die Hisbollah tun den Menschen im Gaza bzw. im Libanon keinen guten Dienst. Doch es liegt auch an der israelischen Regierung, seinen gewaltorientierten Expansionskurs aufzugeben. Drittens brauchen wir auf internationaler Ebene besonnene Kräfte, die eine multipolare Weltordnung ermöglichen und Kooperation vor Konfrontation stellen. Ökonomisch wird es Sinn machen, auf mehr Resilienz und Re-Regionalisierung zu achten und den Weg einer postfossilen Lebens- und Wirtschaftsweise konsequent einzuschlagen – dies verringert Kriege um und mit Öl und stellt sich auch der großen globalen Frage der Eindämmung der Klimakrise.


[1] Zit. Nach: Nach dem Angriff auf Iran: Was bleibt vom Völkerrecht? https://www.tagesschau.de/ausland/asien/voelkerrecht-zukunft-100.html

[2] Irankrieg: Schlägt die Stunde der Neutralität? https://www.derstandard.at/story/3000000311018/irankrieg-schlaegt-die-stunde-der-neutralitaet

[3] https://nie-wieder-krieg.org/2026/03/01/hands-off-iran/.

[4] Geopolitik reloaded? Statt neuen Konfrontationsfronten brauchen wir neue Kooperationsstrukturen

[5] Anmerkung: Wenn hier von Staaten gesprochen wird, ist dies etwas ungenau. Es handelt sich um die jeweiligen Regierungen der Staaten.

[6] IAEA-Chef zu Iran: Keine Anzeichen für Atomwaffen-Programm. https://unric.org/de/iaea-chef-zu-iran-keine-anzeichen-fuer-atomwaffen-programm/

[7] Angriff auf den Iran: Wie weit gehen USA und Israel, https://on.orf.at/video/14313589/zur-sache-spezial-angriff-auf-den-iran-wie-weit-gehen-usa-und-israel 

[8] Nach dem Angriff auf Iran: Was bleibt vom Völkerrecht? https://www.tagesschau.de/ausland/asien/voelkerrecht-zukunft-100.html

[9] Der Preis des Krieges: Worauf müssen wir uns einstellen? https://on.orf.at/video/14314122/das-gespraech-mit-susanne-schnabl-der-preis-des-krieges-worauf-muessen-wir-uns-einstellen

[10] Angriff auf den Iran: Wie weit gehen USA und Israel, https://on.orf.at/video/14313589/zur-sache-spezial-angriff-auf-den-iran-wie-weit-gehen-usa-und-israel

[11] Amnesty-Österreich-Chefin Hashemi: Das braucht es, damit es nach dem Regime-Sturz Frieden und Freiheit im Iran gibt. https://kontrast.at/iran-proteste-2026-amnesty/

[12] Ein Krieg, der China nicht recht ist. https://www.tagesschau.de/ausland/asien/china-iran-oel-100.html

[13] Diese nicht unumstrittene Sichtweise vertritt etwa der Rainer Mausfeld, Professor an der Universität Kiel. Siehe dzu sein Buch „Hegemonie oder Untergang. Die letzte Krise des Westens?“ (Westend 2025).

[14] Etwa die Mitbegründerin des European Peace Projects Ulrike Guérot in einem Facebook-Eintrag.

[15] Der Preis des Krieges: Worauf müssen wir uns einstellen? https://on.orf.at/video/14314122/das-gespraech-mit-susanne-schnabl-der-preis-des-krieges-worauf-muessen-wir-uns-einstellen

[16] Beide Aussagen im ORF-Gespräch am 8.2.2026, Link siehe oben.

[17] Völkerrecht unter Beschuss: Zählt nur noch das Recht des Stärkeren? https://www.salzburg24.at/news/salzburg/voelkerrecht-unter-beschuss-zaehlt-nur-noch-das-recht-des-staerkeren-art-318443

[18] Ebd.

[19] Die Rhetorik früher US-Präsidenten war freilich ebenfalls martialisch, etwa in den Kriegen gegen den Irak, Libyen oder Syrien, in denen immer der Kampf gegen das Böse beschworen wurde.

[20] Überdehnung des US-Imperiums? https://www.derstandard.at/story/3000000311324/ueberdehnung-des-us-imperiums.

[21] Mit 20 Pastoren! Trump macht Riesengebetskreis im Oval Office. https://www.rtl.de/news/usa-donald-trump-betet-mit-20-pastoren-im-oval-office-dafuer-id30441940.html

[22] Iran-Krieg: Waffenarsenale als wesentlicher Faktor. ORF 6.3.2026, https://orf.at/stories/3422571

[23] Am Persischen Golf droht die nächste Katastrophe. https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/irankrieg-so-gefaehrlich-sind-oeltransporte-in-der-konfliktregion

[24] Merz, Macron und Starmer verurteilen Irans Reaktion. https://www.tagesschau.de/ausland/asien/angriffe-iran-israel-usa-reaktionen-100.html

[25] Spanien gegen US-Angriff auf Iran. Widerstand siempre. https://taz.de/Spanien-gegen-US-Angriff-auf-Iran

[26] Krieg in Iran: Macron kritisiert Trumps Krieg – und verlegt dennoch Kräfte. https://www.msn.com/de-de/nachrichten/welt/krieg-in-iran-macron-kritisiert-trumps-krieg-und-verlegt-dennoch-kr%C3%A4ft

[27] Vgl. https://hans-holzinger.org/2026/01/28/epochenbruch-julian-nida-rumelin-uber-die-neuen-kriegsnarrative-menschenrechtsbellizismus-und-das-prinzip-der-nichteinmischung/