Eine wirksame Klimapolitik stößt auf zahlreiche Hürden, denn sie erfordert ein Lernen, bevor es zur großen Katastrophe kommt.

Erstens: Auch wenn die volkswirtschaftlichen Schäden aufgrund der zunehmenden Wetterextreme spürbar steigen, stehen uns die gefährlichen Kippunkte der Erderhitzung erst bevor. Ein umsichtiges, mögliche zukünftige Katastrophen antizipierendes Verhalten wäre nötig. Zweitens braucht die Klimakrise als globales Phänomen global akkordierte Antworten – alle müssen mittun. Als Einzelner oder als kleines Land könne man hier ohnedies nichts bewirken, so die häufig gehörte Meinung. Das ist nicht falsch und dennoch eine Denkfalle. Wir brauchen einen positiven Wettbewerb um die besten Klimaschutzstrategien, ergänzt um global verbindliche Klimaziele für alle.

Die Einsicht, dass wir etwas ändern müssen, fällt auch schwer, solange es exorbitant Reiche gibt, die die Umwelt um ein Vielfaches als wir Normalsterblichen verschmutzen, solange Kriege geführt werden, die neben dem unermesslichen Leid für die Betroffenen auch enorme ökologische Schäden verursachen. Auch das ist richtig. Kriege sowie übermäßiger Reichtum gehören abgeschafft, doch das erspart nicht, dass wir alle unsere Konsum- und Mobilitätsgewohnheiten ändern müssen. Aus der Transformationsforschung wissen wir, dass Änderungen auf Akzeptanz stoßen, wenn sie alle verursachergerecht nach ihren Anteilen an den Schäden treffen.

Als vierte Hürde kommt hinzu, dass es in der Politik offensichtlich nur wenige gibt, die den tatsächlichen Ernst der Lage begriffen haben – Beschwichtiger werden gerne gehört. Dies spiegelt auch das Regierungsübereinkommen 2023-2028 der neuen Salzburger Landesregierung wider, dass zwar unter dem Motto „Gemeinsam in eine stabile und sichere Zukunft“ steht, die Klimakrise aber nicht explizit benennt. Nur einmal ist von einem „klimabewussten“ Salzburg die Rede, einmal von einer „Dekarbonisierungsstrategie“ – die Brisanz der Erderhitzung wird aber nirgends angesprochen. Es gibt Vorschläge für den Ausbau erneuerbarer Energie sowie für mehr Energieeffizienz und mehr öffentlichen Verkehr – argumentiert wird dies mit Energieautonomie, was durchaus Sinn macht.

Dass mit der raschen Abkehr von Erdöl, Erdgas und Kohle das gegenwärtige Konsum- und Mobilitätssystem zur Disposition steht, wird aber negiert. Salzburgs „Spitzenposition“ mit hohem Lebensstandard und hoher Kaufkraft soll weiter ausgebaut werden, heißt es, ohne dass auf die ökologischen Folgen eingegangen wird. Neue Technologien werden uns helfen, die Klimawende zu schaffen, doch das reicht nicht. Wir werden uns auf moderne Bedarfsökonomien einstellen müssen, in denen alle ihre Grundbedürfnisse befriedigen können, alles andere aber hinterfragt wird, so die Wirtschaftspublizistin Ulrike Herrmann. Denn ein solares Energieregime erfordert die Abkehr vom Wachstumsdenken, „Green Growth“ gilt nur für ökologische Nischen, nicht die Wirtschaft insgesamt, so sehr sich dies viele wünschen.

Mag. Hans Holzinger, Nachhaltigkeitsexperte, 5201 Seekirchen