
„Jede Minute landen in Österreich eine Tonne an vermeidbaren Lebensmittelabfällen in unseren Mistkübeln“, so Laura Lenzhofer vom Regionalverband Salzburger Seenland in der Einführung zur Wanderausstellung „GewissensBISS“, die am 26. Mai 2026 in der Stadtbibliothek Seekirchen auf Einladung des Bildungswerks Seekirchen stattgefunden hat. Am meisten weggeworfen werde in den privaten Haushalten: hier landen jährlich um die 700.000t an Lebensmitteln im Abfall. Das entspricht über 70 Kilogramm pro Person. Aber auch in der Gastronomie und Hotellerie fallen noch immer viel zu viele vermeidbare Lebensmittelabfälle an, nämlich circa 150.000t pro Jahr.
Diese Verschwendung unserer wertvollen Lebensmittel habe Konsequenzen für jeden von uns, so die Expertin: „Jährlich wirft jeder Haushalt in Österreich durchschnittlich um die € 800 an Lebensmitteln weg. Aber auch für unsere Umwelt hat dies negative Auswirkungen. Durch vermeidbare Lebensmittelabfälle wird viel Wasser, CO2 und Energie verschwendet. Wenn Fleischreste weggeworfen werden, wurde dafür ein Tier umsonst geschlachtet. Lebensmittelabfälle haben auch eine moral-ethische Komponente: in Österreich leiden über 1 Mio. Menschen an Ernährungsunsicherheit während viele andere Menschen im Überfluss leben.“ Auch das Thema Tierhaltung wird in der Ausstellung angesprochen: Ein Quadratmeter Boden ist derzeit pro Schwein vorgeschrieben, zu wenig für eine artgerechte Haltung. Bei Bio-Betrieben sind es immerhin vier Quadratmeter. Erst 2034 werden Vollspaltenböden in Österreich verboten.

Nur ein Quadratmeter Fläche ist derzeit für Schweinehaltung in Österreich vorgeschrieben, bei Bio-Betrieben sind es immerhin vier Quadratmeter
Ein weiteres Problem sei die nicht korrekte Entsorgung von Bioanfällen. Lenzhofer dazu: „Es gibt natürlich auch unvermeidbare Lebensmittelabfälle – Teile von Lebensmitteln, die nicht zum menschlichen Verzehr geeignet sind. Beispiele dafür sind Eierschalen, Knochen, Fischgräten, Bananenschalen, etc. Davon landen noch immer viel zu viele im Restabfall. Restabfallanalysen in Salzburg zeigen, dass circa 31% unseres Restabfalls aus biogenen Abfällen besteht. Mehr als die Hälfte davon sind vermeidbare Lebensmittelabfälle, die bei richtiger Lagerung und rechtzeitigem Verzehr noch genießbar wären. Damit aus diesen Abfällen wertvolle Komposterde entstehen kann, sollten diese Bio-Abfälle in der Biotonne entsorgt werden.“

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Die von der Tafel Österreich gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur gestaltete Ausstellung zeigt jedoch nicht nur, welche negativen Auswirkung die Verschwendung von Lebensmitteln mit sich bringt, sondern soll vor allem jeden Einzelnen dazu motivieren unseren Umgang mit Lebensmitteln zu überdenken hin zu mehr Nachhaltigkeit und Regionalität. Mit einfachen Schritten kann so jede Person dazu beitragen, dass in Österreich weniger Lebensmittel verschwendet werden. Lenzhofer gab da zu wertvolle Tipps: Nur jene Mengen einkaufen, die tatsächlich verzehrt werden können. Den Speiseplan gut organisieren. Reste sinnvoll verwerten. Neben dem Ablaufdatum von Lebensmitteln auch dem eigenen Geschmackssinn vertrauen – viele Lebensmittel halten deutlich länger als im Ablaufdatum angegeben. Und, was wohl niemand gewusst hat: Nicht hungrig einkaufen gehen, denn dann kauft man viel zu viel!

Laura Lenzhofer vom Regionalverband Salzburger Seenland und Johannes Schmidinger, Obmann der Flachgauer Tafel
Einen konkreten Weg gegen Lebensmittelverschwendung gehen die sogenannten „Tafeln“, die Restlebensmittel von Supermärkten und Restaurants einsammeln und an Menschen mit geringem Einkommen günstig abgeben. Johann Schmidinger, Obmann der Flachgauer Tafel, berichtete, dass ihr Verein an die 220 Ehrenamtliche habe, die in Lebensmittelmärkten sowie der Gastronomie übrig bleibende Lebensmittel einsammeln: „Diese werden in mittlerweile drei Verkaufsstellen in Seekirchen, Mattsee und Koppl an soziale Benachteiligte abgegeben. Allein 2025 wurden ca. 372 Tonnen Lebensmittel vor dem Wegwerfen gerettet.“
Die Ausstellung ist Teil einer Bewusstseinskampagne im Rahmen des Seekirchner Abfallvermeidungskonzepts. Der politisch zuständige Vizebürgermeister Rupert Freundlinger bedankte sich beim Organisationsteam und wünschte der Ausstellung viel Resonanz. Auch Führungen für Schulklassen sind bereits vereinbart. Zudem können sich Vereine für Führungen anmelden. Mehr: lenzhofer@rvss.at.

Das Organisationsteam mit Gästen: Laura Lenzhofer (RVSS), Berta Altendorfer (Bezirkssprecherin des Salzburger Bildungswerk), Vizebürgermeister Rupert Freundlinger, Daniela Lukits (Leiterin der Stadtbibliothek), Johannes Scmidinger (Obmann der Flachgauer Tafel), Susanne Nobis (Fairtrade Gruppe Seekirchen), Hans Holzinger (Bildungswerkleiter Seekirchen)
Die Ausstellung ist noch bis 8. Juni in den Räumen der Stadt Bibliothek zu den Öffnungszeiten zu besuchen. Am 30. Mai findet im Rahmen des Schwerpunkts ein „Weltdinner“ der Fairtrade-Gruppe Seekirchen mit Monica Ladinig statt. Wir machen einen Ausflug in die peruanische Küche. Es wird gemeinsam gekocht und gegessen. Ort: Übungsküche der Mittelschule Seekirchen. Anmeldungen sind noch möglich unter www.hans-holzinger.org/anmeldung.
Bericht: Hans Holzinger, Fotos: Luisa Grabenschweiger, H. H.


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