Boden ist eine wertvolle, nicht erneuerbare Ressource – er speichert Wasser, kühlt unsere Städte und nährt uns. Kommunale Entscheidungsträger:innen bestimmen maßgeblich, wie dieser Boden genutzt wird. Indem sie Ortskerne stärken, verhindern sie Zersiedelung, schützen Landschaften und schaffen gleichzeitig Orte des Zusammenhalts. Ulrike Feichtinger vom Klimabündnis Wien zeigte in ihrem Vortrag des Salzburger Bildungswerks am 3. November 2026 in der Stadtbibliothek Seekirchen anhand gelungener Beispiele aus Gemeinden, wie Bodenschutz und lebendige Ortskerne Hand in Hand gehen können.

Als Projektleiterin im Bereich „Boden“ beim Klimabündnis Österreich leitet Feichtinger das Projekt KERNSTÜCK, in dem die Stärkung von Ortskernen mit einem schonenden Umgang mit der Ressource Boden verbunden wird. Anhand des gleichnamigen Films schilderte die Referentin innovative Ansätze aus vier österreichischen Gemeinden. Im niederösterreichischen Zellerndorf wurde eine nicht mehr verwendete Fabrikshalle abgebaut und mit den Bauteilen wurde im Ortskern ein neues Gemeindezentrum errichtet. Um Neunutzung von alter Bausubstanz geht es auch im Porträt über die Salzburger Gemeinde Seeham, in der ein alter, vom Verfall bedrohter Bauernhof mit lokalen Unternehmen saniert und als neuer Ort für das Gemeindeamt adaptiert wurde. In Villach wiederum wurde trotz anfänglicher Widerstände etwa von Gastronomiebetrieben am Hauptplatz eine Baumallee errichtet, die im Nachhinein alle zufrieden stellte, weil in der Umsetzung Kompromisse gefunden wurden. Gemeinschaftsbildung durch Anpacken aktiver Bürger und Bürgerinnen steht im letzten Beispiel, der oberösterreichischen Gemeinde Gallneukirchen im Zentrum. Hier wurde von einer Gruppe Engagierter eine Gemeinschaftssolaranlage errichtet, eine Bewohnerin kümmert sich um eine angelegte Blumenwiese, in einem Stammtisch für gute Ideen für eine gute Zukunft werden neue Ideen entwickelt und dann auch umgesetzt.

Was können wir aus Best-Practice-Beispielen lernen?

Es brauche Menschen, die anpacken statt nur zu schimpfen, nötig seien aber auch Strukturen, die Beteiligung ermöglichen, zugleich klare Verantwortlichkeiten festlegen und gemeinschaftsbildende Prozesse fördern, die eine Identifikation mit dem Ort bzw. den Projekten stiften, berichtete die Referentin, die als Vizebürgermeisterin von Gmunden auch eigen praktische Erfahrung mit Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung aufweist. Fünf Zutaten für Veränderung nannte Feichtinger: 1) Eine gemeinsame Vision entwickeln: Macht Lust, dabei zu sein; 2) Den Mut haben, neu zu denken: Ungewöhnliches wagen, Bestehendes neu nutzen; 3) Menschen mitnehmen: Konstruktive Konfliktlösung, echte Beteiligung umsetzen; 4) Verantwortung übernehmen: Entscheidungen treffen, aktiv werden; 5) Ausdauer und Vertrauen haben: dies brauche Geduld und Überzeugungsarbeit.

Was geschieht in Seekirchen und was könnte noch besser werden?

In der anschließenden, regen Diskussion wurde auf die Situation in Seekirchen Bezug genommen. Als attraktive, weiter wachsende Stadt in naturnaher Umgebung und guter öffentlicher Anbindung an die Stadt Salzburg braucht Seekirchen neue Flächen für Wohnanlagen, die durch die Absiedlung von Gewerbegebieten an den Stadtrand geschaffen wurden. Zudem gibt es positive Beispiele von Nachverdichtung in Einfamilienhäusern. Mit einem Leerstandsportal des City Marketings wird versucht, Gewerbeflächen Suchende mit Besitzenden von Leerstandsflächen zu verbinden. Das Portal sei jedoch ausbaufähig und der Spekulation müsse vorgebeugt werden. Kontrovers diskutiert wurde einmal mehr die Begegnungszone im Ortszentrum. Es seien weitere Probewochenenden mit Fußgängerzonen sinnvoll, diese müssten aber besser kommuniziert werden. Mit dem Programm „Natur in der Gemeinde“ werden nun Blumenwiesen sowie „Naschecken“ ausgewiesen, so ein weiteres postives Beispiel.

Die 25 Interessierten, die in die Stadtbibliothek gekommen waren – darunter die Gemeinderäte Andreas Bäuchler und Bernhard Fink, hörten einen ermutigenden Vortrag über neue Ansätze, wie Ortsverdichtung, Bodenschutz und Gemeinschaftsbildung verbunden werden können. Dass die Aufwertung von brachliegenden Flächen gut funktionieren kann, beweist nicht zuletzt die neue Stadtbibliothek, die in nicht mehr genutzten Depoträumen über dem Spar untergebracht wurde. Die Ausstellung „Klimaladen“, die auf spielerische Weise Zusammenhänge von Konsum und Klimaschutz vermittelt, ist noch bis 7. November in der Stadtbibliothek zu besuchen. Der Film KERNSTÜCK kann ab demnächst beim Klimabündnis angefordert werden.

Mehr findet ihr in den von der Referentin dankenswerterweise zur Verfügung gestellten Vortragsfolien.

Referentin Dr.in Ulrike Feichtinger (Bildmitte), Kathrin von Hagke vom Klimabündnis Salzburg und Bodenbündnis Salzburg (im Bild rechts) und Bildungswerkleiter Hans Holzinger (im Bild links).

Bericht: Hans Holzinger. Fotos: Kathrin von Hagke, Michael Tornow.

DI Dr. Ulrike Feichtinger ist Projektleiterin im Bereich Boden beim Klimabündnis Österreich und leitet das Projekt KERNSTÜCK. Dieses zeigt anhand konkreter Gemeinden, wie Zusammenarbeit, Mut und neue Ideen lebendige Ortskerne schaffen und gleichzeitig Boden und Ressourcen für kommende Generationen bewahren. Die promovierte Physikerin arbeitet heute an der praktischen Umsetzung von Projekten zu Bodenschutz, Klimawandelanpassung und Energiearmut. Als Coach und Trainerin beschäftigt sie sich zudem mit der Frage, welche inneren Voraussetzungen Veränderung und Zusammenarbeit ermöglichen. Seit 2021 ist sie Vizebürgermeisterin von Gmunden und setzt dort kommunale Klimaschutz- und Beteiligungsprojekte mit um. Ehrenamtlich ist sie Vorstandsmitglied des Europäischen Bodenbündnisses ELSA.

Eine Kooperation von Klimabündnis Salzburg, Salzburger Bildungswerk Seekirchen und Stadtbibliothek Seekirchen